la pachamama – die mutter erde

der monat august wird der ehrung der mutter erde gewidmet.
am sonntag waren wir eingeladen, in der bibliothek von tanti an einer zeremonie teilzunehmen.
in der nähe von tanti hat sich vor nicht langer zeit eine kommune von comechingones (eins der indigenen völker argentiniens) angesiedelt. einige vertreter dieser kommune zelebrierten mit uns den dank an unsere mutter erde. ich war ganz gespannt, was uns erwarten würde…
OLYMPUS DIGITAL CAMERAim vorgarten der bibliothek war schon ein loch in die erde gegraben worden, ca. 50 cm breit und tief. die zeremonieleiter erklärten uns ihre aktionen und luden uns im anschluß an die vorbeitungen ein, unseren dank auf unsere eigene art an die pachamama auszudrücken.
OLYMPUS DIGITAL CAMERAbegleitet von leisen flötentönen und dem raschelnden geräusch einiger regenstäbe, sitzt die leiterin versunken in leiser zwiesprache vor der erdöffnung. sie murmelt in einer unbekannten sprache, beugt sich vor und berührt mit der stirn die erde. sie bewegt ihre hände über dem loch, nimmt eine tonschale mit dampfenden kräutern und bewegt sie in kreisenden bewegungen über der erde. anscheinend bittet sie die erde, die gaben als unseren dank anzunehmen und weiter fruchtbar für uns menschen zu bleiben.
OLYMPUS DIGITAL CAMERAcarlos, in der indianischen kleidung, erzählt uns über die weltanschauung der comechingones. wir menschen besitzen die erde nicht, wir sind die kinder der erde. alle menschen stammen direkt von der erde ab, alles auf der welt hat den ursprung aus der erde. wir sind alle brüder und schwestern, unserer aller mutter ist die erde.
OLYMPUS DIGITAL CAMERAin der einladung wurden wir aufgefordert, samen, früchte oder natürliche getränke mitzubringen. auf der bunten decke neben dem erdloch liegen die gaben: reis, kartoffeln, äpfel, nüsse, kräuter, samen, tabak, tee- und mateblätter und einiges mehr.
OLYMPUS DIGITAL CAMERAfast alle teilnehmer knieten sich nacheinander vor das loch, nahmen einige der gaben und streuten sie in die erde, dann gab es noch feuchtes nass wie wasser, saft, wein oder legui (typischer kräuterlikör) dazu, erst in die erde und dann in die eigene kehle.
OLYMPUS DIGITAL CAMERAwährend die „großen“ ganz in sich gekehrt der erde dankten oder sie um etwas baten und sie segneten, hatten die kinder großen spaß am „opfern“. immer wieder nahmen sie von den gaben, turnten um das loch herum und bedachten die mutter erde großzügig.
OLYMPUS DIGITAL CAMERAalle teilnehmer wurden von monica mittels eines staubwedels aus federn symbolisch
von kopf bis fuß gereinigt.
OLYMPUS DIGITAL CAMERAdie zeremonie geht dem ende zu. alle haben gedankt und geehrt, alle restlichen gaben wurden der erde übergeben, und nun helfen viele hände das loch zu zuschütten.
OLYMPUS DIGITAL CAMERAklein wauwi darf aber nicht mitbuddeln.
OLYMPUS DIGITAL CAMERAdie restlichen getränke muß mutter erde auch noch in sich aufnehmen.
OLYMPUS DIGITAL CAMERAin der hoffnung, daß uns die erde auch in der zukunft reiche früchte bietet, singen und klatschen die teilnehmer am ende um den gesegneten platz herum.
OLYMPUS DIGITAL CAMERAeine wasserflasche, wie sie vor vielen hundert jahren von den indios aus ton hergestellt wurde. dieses gefäß ist in einem workshop nachgearbeitet worden.

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8 Kommentare zu “la pachamama – die mutter erde

  1. Liebe Antje, das ist ein wirklich schöner Bericht, sehr beeindruckend. Sehr interessant auch die Fotos und deine Erklärungen zu dem Sinn dieses Festes. Ich denke mal, so ein kleines bisschen könnnte man es mit unseren Erntedankfesten vergleichen, bei dem ja auch für die Gaben der Erde gedankt wird. Ich finde es schade, dass das Erntedankfest hier in der Bevölkerung nicht mehr die Bedeutung hat wie früher. Ich habe den Eindruck, dass statt dessen die meisten Leute lieber Halloween feiern wollen.
    Liebe Grüße aus dem hochsommerlichen Bergischen Land…..von Rosie
    P.S. Wir haben heute 31 Grad Celsius

    • hallo rosie, an das erntedankfest mußte ich auch denken, als mir erklärt wurde, wie die zeremonie abläuft. es ist schon erstaunlich, wieviele parallelen es in den verschiedensten kulturen gibt. – halloween wird hier auch „gefeiert“, allerdings merken wir nicht viel davon, weil wir etwas abseits vom ortszentrum wohnen.
      ihr habt im sommer 31 grad und wir im winter 😉 liebe grüße aus dem winterlichen heißen bergland

  2. Zu unserer aller Glück gibt es noch einige Flecken auf diesem Planeten, die sich unserer Grundbedürfnisse erinnern! Pachamama ist keineswegs unbekannt – lediglich ihr Name ändert sich. Leider aber nicht in der sogenannten „Zivilisierten“ Welt! Denn dort konsumiert man sich weiterhin aus den Regalen der fertigen, ach so einfach zuzubereitenden Produkte, u.a. von Mon*santo! Wer von Euch Lesern dieses Blogs auch nur ein bisschen Verantwortungsgefühl hat, der sollte sich mal ergoo.gln nach Monsanto!
    Wer allerdings ernsthaft nach der vitalen Geschichte sucht, der goog.le nach Pachamama!
    Danke, liebe Antje für diesen eindrucksvollen Beitrag und für die Fotos.

    • ich war stark beeindruckt von den leuten, ihrer geschichte und der zeremonie. diese menschen leben vor, was immer noch möglich ist, geben und teilen, achtung haben vor allem leben, nur das verbrauchen, was lebensnotwendig ist. –
      mon(ster)santo weltweit bekannt und verhaßt!
      liebe grüße

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