liebe verwandtschaft

immer wieder habe ich familiengeschichten und andekdoten aus marcos juares gehört. raúl und susana haben früher als kinder dort bei tanten und onkel mit ihren cousinen und cousins die langen sommerferien verbracht und immer die tollsten sachen erlebt. nun war ich neulich mit susana in dem für mich sagenhaften ort. marcos juares ist eine typische kleinstadt, aufgeteilt in quadrate, ein- höchstens zweistöckige häuser aneinander gebaut, mit bäumen auf den gehwegen.

cousin rodolfo vor seinem haus, auf der bank wird mate getrunken und beobachtet, was die nachbarn treiben, wer zu besuch kommt, wer mit wem geht und der neuste klatsch ausgetauscht.
seine frau josefa in der küche. sie hat für mich bettdecken aus stoff- und schaumgummiresten genäht, damit unsere gäste im winter nicht frieren müssen, meint josefa. ihr leben lang hat sie genäht, stoffe und füllmaterial bekam sie von einem verwandten, der eine matratzenfabrik hatte.  außerdem verarbeitet sie tomaten zu soße und füllt sie in flaschen ab, die vorrichtungen dafür soll ich einmal bekommen. so langsam will josefa sich von nähmaschinen und tomaten trennen, in die jahre gekommen, fällt alles etwas schwerer.
das „mädchenzimmer“ von den töchtern, die lange aus dem haus sind, aber typisch argentinisch, ganz in der nähe wohnen.  susana und ich durften dort übernachten, vorher mußten wir jedoch alle kunstwerke von josefa bestaunen, die sie in vielen jahren angefertigt hatte: bilder, nach schablone gemalt, bemalte holzkästen, bemalte gips- oder ähnliche figuren, genähte taschen, kissen, decken, schürzen und noch vieles mehr. „meine“ decken lagen eingepackt hinter dem bett auf dem fußboden gestapelt. ich ahnte schlimmes….
ein fenster im schlafzimmer, das in ein anderes zimmer geht. das ist etwas, an das ich mich schwer gewöhnen kann, ein fenster, das nicht nach draußen sondern in ein anderes zimmer geht. das gibt es öfter hier! und zwar war das andere zimmer vorher eine überdachte terasse, die ist dann irgendwann zu einem weiteren zimmer ausgebaut worden. tja, und das eine zimmer hat dann nur ein „binnenfenster“.
der garten ist im innenhof, jede ecke wird für pflanzen genutzt.

eine birne vom scheinwerfer muß ausgewechselt werden. es ist sonntag, und keine werkstatt hat geöffnet. aber wozu gibt es nachbarn? die halbe familie steht vor dem haus und klönt mit anderen nachbarn, und alle freuen sich, daß sie einer „gringa“ helfen können.

so ist das hier, einer arbeitet und der rest gibt gute ratschläge.

übrigens sind die bettdecken alle ok und akzeptabel. nur bei einer mußte ich den volant abmachen, das sah nun doch nicht nach meiner nase aus 😉

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11 Kommentare zu “liebe verwandtschaft

  1. Wir sind ja auch schon ein „kleiner Clan“ …. Schwiegertochter ( nein , noch nicht verheiratet ) zieht kommende Woche bei Sohnemann oben im Apartment mit ein .
    Mit im Schlepptau – 2 Hunde . Also auch wir vergrößern uns ständig 🙂

    Danke für den Einblick ins argentinische Familienleben
    und
    liebe Grüße von der Insel

    • bei euch ist es praktisch und sicherer, im „clan“ zu leben, kann ich gut verstehen. und die schwiegertochter ist es bestimmt auch von zu hause aus gewöhnt, in einer grossfamilie zu wohnen.
      dann mal viel vergnügen und liebe grüsse auf die insel

  2. Da kamen mir beim lesen viele Erinnerungen an die Zeit als ich noch in deinem Land lebte, und wie Vallartina schreibt, dass sie als Einzelkind vermutlich nicht fuer so ‚grosses Miteinander-leben‘ geeignet sei, so liegt der Fall auch bei mir.So ungefaehr nach dem Motto: ‚Argentinisches Gross-Familien-Leben…, ich kann nicht mit dir aber auch nicht ganz ohne dich‘. Umgekehrt kenne ich einige Argentinier die sich dafuer auch ganz schwer tun mit dem europaeischen Familien-Leben. Aber lieben Dank, dass du uns an deinem Alltag teilhaben laesst. Ich bin dafuer im italienischen Familien-Leben mittendrin. Unterscheidet sich aber nochmal vom argentinischen, obwohl ja halb Argentinien italienische Wurzeln hat. Freue mich dann schon auf deinen naechsten Bericht und liebe Gruesse!

  3. Auch hier gibt es noch diese Familienclans. Ich weiss nicht, ob ich mit so vielen Menschen tagtäglich leben könnte, bin als Einzelkind wahrscheinlich untauglich. Danke für diese schönen Einblicke, Antje!

  4. hallo antje…….für mich wäre das nichts, leben in einer großfamilie. hier in nepal ist das auch so und ehrlich wir haben einige diskussionen über dasthema. auch wenn ich kaum nch kommentiere, ich lese aber. nur haben wir immer noch kein internet und mir fehlt die zeit mich immer in ein cyper zu hocken zumal auch die stromversorgung so knapp ist. da geht halt mein blog vor. ich hoffe du nimmst es nicht übel, bald wird es wieder besser. lg aus kathmandu basundhara

  5. Ah, wunderschön, dieser Einblick in das lokale Leben.
    Übrigens, bis ich 5 war, lebten wir alle zusammen in einer Großfamilie. Großeltern, 4 Kinder nebst Frauen bzw, Männern und Enkel.
    Und in dieser Wohnung gab es auch ein Binnenfenster!

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