rückblick – kaltes argentinien

genau vor fünf jahren hat es geschneit, es war kalt, eiskalt und grau!
und das soll argentinien sein? meine neue heimat? wie schrecklich, ich erfriere! wo bin ich hier gelandet?!
am 9. juli wird in argentinien der unabhängigkeitstag gefeiert. mit diesem tag beginnen die 14tägigen winterferien. tanti war voller touristen, die den schnee fotografierten! weiße berge, booaaa, sooo was tolles!! viele bauten sich kleine schneemänner vorne auf die windschutzscheibe ihrer autos oder auf´s dach und fuhren gaaanz langsam, total untypische fahrweise! sie freuten sich wie kleine kinder und konnten meine schlechte laune wegen der kälte nicht verstehen: wieso, du kennst doch die kälte, in deutschland ist es doch bestimmt viel kälter! du bist das doch gewöhnt!
die kälte hier ist ja nicht nur draußen, sie ist drinnen noch viel schlimmer! die häuser sind ganz einfach gebaut, für warme temperaturen. überall zement- oder gefliester boden, türen und fenster sind undicht und haben keine doppelverglasung, es gibt keine heizung. wir hatten einen offenen kamin, mit dem wir einen ganzen tag lang unsere wohnung vollräucherten und nicht zum brennen bewegen konnten. irgendwann als alles voller rauch und alle türen und fenster deswegen offen waren, klappte es plötzlich doch mit dem feuer. war das eine kälte!! nur ganz nah am kamin konnten wir ein bißchen wärme abbekommen.
wir hatten auch eine 10-kg-gasflasche mit einem kleinen heizaufsatz. aber auch damit hatten wir nur in unmittelbarer nähe etwas wärme. durch den unerwarteten und starken kälteeinbruch gab es ganz schnell keine gasflaschen zum umtauschen oder neu kaufen mehr, keine heizkörper in den geschäften. 2007 war der kälteste winter seit über 30 jahren, und gerade in diesem winter mußten wir nach tanti kommen!
die kälte dauert etwa eine woche, am tag scheint die sonne, und sie ist warm! wir gehen nach draußen in die sonne, um uns aufzuwärmen. dort können wir sogar unsere dicken jacken ausziehen, die wir in der wohnung anhaben. alle leute laufen dick vermummelt rum, schal, mütze, handschuhe – auch die verkäufer in den geschäften, denn drinnen ist es kälter als draußen.
nachdem die erste große kältewelle vorbei ist, bekommen wir einen schönen großen gasofen und eine kleine elektroheizung für´s bad. auch der gasflaschenverkauf normalisiert sich, das gas ist nur teurer geworden. aber wir sind ja froh, daß es wieder welches gibt!
was fällt mir in den ersten wochen besonders auf? der schmutz, der müll an den straßen, plastiktüten hängen an den sträuchern und in den bäumen, die straßen sind unbefestigt, ungepflegte und viele verlassene häuser, verkommene grundstücke, angefangene häuser, die seit jahren nicht weitergebaut werden, reklame auf alten verrosteten blechstücken, reklame in vielen verschiedenen schriften und damit (für mich anfangs) unleserlich, überquillende müllbehälter sind ein gefundenes fressen für die vielen straßenhunde, häuser in allen möglichen und unmöglichen farben und formen, wellblechdächer, die mit vielen obendrauf liegenden großen steinen oder baumstämmen „befestigt“ sind.
aber mir fällt die klare luft auf, der knallblaue himmel bis auf wenige ausnahmen das ganze jahr über, man kann meilenweit sehen, die berge, die schöne landschaft, die vielen und riesigen kakteen – und die freundlichen menschen! alle sind interessiert an einem, fragen woher man kommt, die meisten haben irgendjemanden in der familie oder im freundeskreis, der in deutschland ist oder war, und keiner versteht, wieso wir ausgerechnet nach tanti gekommen sind.

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12 Kommentare zu “rückblick – kaltes argentinien

  1. Hallo, kannst du mir nur fix sagen wo Tanti liegt? Mein Bruder war in Pasadenas (oder so ähnlich, direkt an der Grenze zu Paraquay). Ich fande es schon extrem krass, welche Unterschiede in diesem Land herrschen. Ich hätte ihn mal besuchen sollen 😦

    • hallo fink,
      tanti liegt fast in der mitte von argentinien in der provinz cordoba und 60 km von der stadt cordoba entfernt.
      schade, daß du deinen bruder nicht besucht hast!

  2. Ein sehr schöner Bericht, liebe Antje! Ja, wie gut wir es im Winter doch in „Good Old Germany“ haben! Aber jetzt haben wir erst einmal Sommer und darum schicke ich dir jetzt einmal ein paar herrlich sonnige Juligrüße aus dem Bergischen Land – damit du dich ein wenig „aufwärmen“ kannst….smile*
    LG von Rosie

    • das ist lieb und kann ich gut gebrauchen, rosie! klar, good old germany hat seine vorteile, nicht nur im winter. aber wir sind lieber hier und haben uns mit der kälte arrangiert.
      liebe grüße in den sommer, ihr habt offensichtlich mehr davon als der norden

  3. …die Winterbeschreibung von 2007 hört sich fast an, wie die Sommerbeschreibung Hamburg 2012 (haha)…. und blauen Himmel; dafür dass „Sommer“ ist, sehen wir den ganz schön selten! Trotzdem – LG aus der schönsten Stadt der Welt 🙂

    • ach ja, ich leide mit euch…..und bin froh, daß wir hier sind 😉 ich schick euch sonnenstrahlen und ein stück vom blauen himmel.
      liebe grüße in die schönste stadt der welt!

  4. Ach, da hattet Ihr aber Pech, Euch ausgerechnete den kältesten Winter für Eure Ausreise auszusuchen. Hattest Du da in der 1. Woche nicht oft die Nase voll und hast Dich manchmal sogar zurück nach De gewünscht?

    • das war schon hart, aber die sonne und der blaue himmel davor und danach haben alles wieder gutgemacht. nein, zurück wollte ich nicht, aber unsere warmen bettdecken, die noch unterwegs waren, hab ich vermißt. und nach warmen räumen und teppichböden hab ich mich gesehnt. wir sind ja so froh über unseren russischen ofen!

  5. Ach Antje, ich wähne mich in Nepal.
    Bist Du sicher das Du von Argentinien schriebst?
    Genau so, bis auf den klaren Himmel, ist es im Winter in Kathmandu. Gute Luft und ein klarer Himmel ist in Kathmandu, Dank der Autoabgase und das Kathmandu ein tal ist, reines Wunschdenken. In den Bergen, ja da ist es so, aber die Städte nein.

    ich konnte mich in Deine Beschreibung richtig hinein versetzen.
    LG

    • hallo ines,
      ja, bei einigen deiner beschreibungen über nepal denke ich auch, das könnte genauso hier sein 🙂 und in den großen städten ist es bestimmt so ähnlich, wie in kathmandu, mit smog und abgasen usw.
      liebe grüße

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