rückblick – vor der abreise

ein paar wochen vor der abreise fing ich eine art tagebuch an. so vieles mußte geregelt werden!
wir hatten die letzten zehn jahre einen kleinen versand aufgebaut, hatten ein paarmal im jahr einen verkaufsstand auf diversen märkten, und nebenbei war noch die büroarbeit.
wir produzierten empanadas und verkauften sie tiefgekühlt, dazu kam noch der versand von argentinischen weinen. unsere produktionsküche war voller tk-truhen, regale, töpfe, herd, verpakungsmaterial – alles mußte weg! und gerade ging das geschäft so gut wie nie zuvor! einen monat vor der abreise fand das alljährliche weinfest statt, bei dem wir seit sechs jahren fester bestandteil waren. im allerletzten moment sagten wir noch unsere teilnahme zu. und es wurde das beste weinfest aller zeiten! drei tage lang hieß es von 10 bis 24 uhr im stand sein und empanadas fritieren und wein verkaufen.
schon die vorbereitungen dazu sind knochenarbeit. der stand muß eingeräumt werden: kühlschrank, verkaufstisch, friteuse, regale, gläser, wasserbehälter, plakate, preislisten, tische und bänke und was weiß der kuckuck alles…. zu hause in den transporter packen, am standort wieder auspacken und aufbauen. total kaputt wartet man auf die ersten kunden und stellt dann fest, daß man die kasse mit dem wechselgeld vergessen hat….
wenn es dann losgeht, ist alles gut, und es macht spaß, daß den leuten unser angebot gefällt. das war in den ersten jahren nicht einfach, kein mensch kannte empanadas! und wir wohnten in einer gegend, in der überwiegend bier getrunken wird, nicht wein. und argentinischer schon gar nicht, chilenische weine kannte man schon, aber argentinische? – mit der zeit wurde unser angebot gut angenommen, wir hatten nette kontakte mit den winzern, die aus dem rheingebiet kamen, die musiker für die unterhaltung am abend kannten wir, und es wurde ordentlich getanzt und wein getrunken.
bei diesem letzten weinfest hatten wir auch richtig glück mit dem wetter! bei regen ist tote hose…

dieses letzte weinfest war für uns natürlich ganz besonders, denn es hieß abschied nehmen. irgendwann am abend wurden wir auf die bühne gebeten und dem publikum von unseren auswanderungsplänen erzählt. außerdem stimmten die musiker das lied an „don´t cry for me argentina…“ meine tränen flossen in strömen…. anschließend war unser stand umlagert, fotos wurden gemacht, viel gefragt, viel getrunken und gegessen.
so, ich laß euch und mir ein bißchen zeit zum verdauen…

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8 Kommentare zu “rückblick – vor der abreise

  1. Von unserem Weggang wusste ja kaum einer , deshalb gab’s keinen großen Abschied .
    Tränen liefen bei mir , als wir zum letzten Mal die Tür von unserem Haus schlossen und den Schlüssel den neuen Eigentümern übergaben . Anschließend ging es gleich zum Flughafen . Dort übergaben wir dann die Schlüssel unseres Autos den neuen Besitzern .
    So richtig realisiert habe ich alles erst später , hier auf der Insel 🙂
    Und nun ist es schon 14 Jahre her ….. wie doch die Zeit vergeht .

    LG nach Tanti

  2. Ach Herrjeh, mir kommen schon beim Lesen des letzten Abschnittes die Tränen. Da kann ich mir vorstellen, wie es Dir auf der Bühne ging.

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